Carratraca

Carratraca ist ein sehr kleiner Ort mit nur knapp über 900 Einwohnern und es ist auch nur 21 km² groß bzw. klein. Das Dörfchen liegt circa 56 Kilometer von Ronda entfernt und man kann es von Malaga über die A-357 ohne Abbiegen erreichen. Ein sichtbares Schild weist auf den Ort hin. Die Ortschaft liegt auf 540 Meter Höhe und hat nur einen jährlichen Niederschlag von 450 l/m² und die Temperatur liegt im Schnitt bei 16 Grad Celsius. Carratraca bietet ein Tourismusbüro an, in dem sich Besucher umfassend informieren können. Man ist in Carratraca sehr gastfreundlich und es sind alle willkommen.

Wie im Großteil von Grenzgemeinden, lassen sich in der Landschaft Eigenarten feststellen. Hier findet man die Anfänge der Naturlandschaft von Ronda und Antequera aber auch die des Guadalhorce-Tal. Das Gelände der Sierra de Alcaparain ist steil und in den Bergen von Banos y Aguas sanft geformt. Den Untergrund passt sich demzufolge auch die Vegetation an. Zu finden sind hier gutes Unterholz und Pinienwälder, die ausgesprochen dicht sind. Der Blick weiter herunter in die Täler, die von dem Las Canas durchflossen werden, zeigt die Getreidefelder und Olivenhaine. Die Obst- und Gemüseplantagen kann man logischerweise direkt am Flussbett finden, das eine sehr gute Bewässerung anbietet und selbstverständlich auch genutzt wird. Malerisch liegen die Häuser des Dorfes an den Hängen der Sierra Blanquilla. Direkt vom Ortskern aus hat man auch an vielen Plätzen einen wunderschönen Ausblick auf die Landschaft der Gemeinde.

Die Anzeichen einer sehr frühen menschlichen Besiedelung wurden in einer Erdgrube von 40 Meter Tiefe in der Sierra Alcaparain gefunden. Ein Grab aus der Neusteinzeit und einige Malereien konnten in dieser Grube sicher gestellt werden. Von den Römern fand man Keramiken und Münzen. Außerdem entdeckte man sprudelnde Quellen aus der Erde mit schwefelhaltigem Wasser und die Römer fanden schnell die heilenden Kräfte des Wassers heraus. Der Aufschwung von Carratraca fand aber im 19. Jahrhundert statt, bei der Erweiterung des Landgutes von einem Herrn Aguas Hediondas. Aus dieser Zeit stammen ein Kurbad und eine Kapelle. Die Kenntnisse über Kräfte des Wassers verbreiteten sich über die Grenzen der Gemeinde hinaus und der Zustrom an Menschen wurde immer größer. 1847 wurde aus dem Grund ein zweites Kurbad gebaut und 1856 fertig gestellt. Berühmte Persönlichkeiten wie Eugen de Montijo oder der englische Dichter Lord Bryon wie die wohlhabende Familie Heredia waren Gäste in dem Kurbad. Die Anwesenheit dieser Personen nutze man als Werbung für das Örtchen und sie ist bis heute ein Anziehungspunkt für den Tourismus. Bemerkenswert ist die Zahl 5.000. Diese Zahl an Personen besuchten gegen Ende des 19. Jahrhunderts jährlich zur Badesaison Carratraca. Zu dieser Zeit befanden sich auch zwei Kasinos und eine sehr eigenwillige Stierkampfarena in Carratraca. Der wirtschaftliche Aufschwung nahm auch dort seinen Lauf und die Bewohner vermieten sogar ihre Häuser an Gäste und Touristen und verbrachten selbst die Zeit, meist über Monate auf den Feldern.

Besuchen muss man auf jeden Fall die Nuestra Senora de la Salud Kirche. Bestehend aus drei Schiffen und mit einer Deckenkonstruktion aus Holz im Neomudejar-Stil werden die einzelnen Schiffe getrennt mit Rundbögen, aufgesetzt auf toskanischen Säulen. Im Innenhof des Kurbades befindet sich das Becken mit dem Heilwasser. Der Tempel um das Becken ist umrandet von toskanischen Säulen aus weiß gemaserten Marmor. Dieses Bildnis ist wohl auch das berühmteste und meistgekaufte Porträt auf einer Postkarte. Das Rathaus in Carratraca ließ man im Jahre 1885 im Neomudejar-Stil erbauen. Es war ursprünglich der Freizeitsitz von Dona Ttrinidad. Leider brach der Turm 1963 ein, er wurde aber 1991 wieder restauriert, wie das ganze Gebäude und der Gartenbereich. Die noch bestehende Stierkampfarena hat als Besonderheit keinen runden Grundriss, sondern besteht aus einem vieleckigen Bau. Des Weiteren ist die Struktur in den Felsen gehauen, ganz im Stile der Römer und Griechen.
Diese Bauart erzeugt bei der Passion Christi in der Karwoche, welche dort abgehalten wird, akustisch einen wunderbaren Klang. In Gedenken an die Schutzpatronin Virgen de la Salud existiert an den Wanderwegen hinter der Arena die Ruine der Kapelle von Dona Trinidad. Weitere Anziehungspunkte sind die Höhlen von El Duende, El Abrigo de Alcaparain sowie die Erdspalten Gorda und Murcietagos.

Das „jarrete a la Campera“ ist der beste kulinarische Vertreter in der Gegend und heißt übersetzt „die Keule auf bäuerliche Art“. Dazu gehört auch die „callos“ und das „chivo a la pastoril“ dies ist das Zicklein nach Art des Schäfers. Ein Kohlgericht und der Eintopf mit Bohnen reihen sich mit ein. Im Sommer sind der Pfannkuchen aus geriebenem Brot mit Öl Petersilie, Eiern und Knoblauch und auch die Kasslrolle mit Kartoffeln und Mandeln sehr beliebt. Die Mandeltorten, der Ölfladen und die Biskuitkuchen gelten als köstlichste Süßspeisen in Carratraca.

 

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